Skip to main content

Welcher Wein zum Grillen?

Welcher Wein zum Grillen?

Geschrieben von Miriam Schröer am .
Zuletzt aktualisiert am 27. Juli 2023.

Sommer ohne Grillen ist wie Freibad ohne Wasser. Und eine Grillage ohne Wein? Kann man machen. Ein kühles Bier schmeckt ja auch mal gut. Aber für wahre Weinliebhaber gibt es zu jeder Grillspeise mindestens auch einen tollen passenden Wein.

In diesem Artikel findest du Tipps, wie du den passenden Wein zu deinem Grillgericht auswählst. Wie bei allen Food Pairings gilt: Es kommt nicht allein auf das verwendete Fleisch oder Gemüse an, sondern auch auf die Würzung. Je feiner die Basis, desto sanfter darf auch der Wein sein. Herzhaft gewürzte Speisen hingegen vertragen auch einen kräftigen Wein.

Viel Vergnügen beim Auswählen der Weine für dein Grillfest!

Wein als Grill-Aperitif: Let’s geht the party started
Fleischeslust: Wein zu gegrilltem Fleisch
Aus dem Wasser: Wein zu gegrilltem Fisch und Krustentieren
Vegetarisch und vegan: Wein zu gegrilltem Gemüse & Co.
Würze: Wein zu Saucen und Dips
Sweet Dreams: Wein zu gegrillten Desserts

Aperitif vor dem Grillen

Der Grill ist angeheizt, die Holzkohle muss noch durchglühen und die ersten Gäste sind schon da. Was passt besser zur Begrüßung als ein Glas Prosecco? Frisch und kühl und mit moderatem Alkohol ist der italienische Schäumer eine nette Einstimmung auf ein chilliges Barbecue. Probiere auch andere Prickler wie Sekt, Champagner & Co. Und wenn du nicht so gerne Schaumwein magst, wähle einen zartfruchtigen, trockenen Weißwein wie beispielsweise einen Welschriesling. Ist es noch früh am Nachmittag und sehr warm, serviere den Aperitif einfach „on the rocks“.

Wein zu gegrilltem Fleisch

Fleisch in allen möglichen Varianten grillen ist natürlich der Klassiker. Die Faustregel bei der Kombination mit Wein lautet: Je feiner das Fleisch, desto sanfter darf der Wein ausfallen.

Wein zu Grillwurst

Bei einem zünftigen Grillfest kommen meistens als erstes Würstchen auf den Grill. Die sind am schnellsten fertig, stillen den ersten Hunger der Gäste und sind herrlich unkompliziert. Grillwürste gibt es in allen möglichen Variationen, von zart gewürzt über herzhaft bis scharf. Zur klassischen, kräftig gewürzten Bratwurst passt ein frischer Weißwein. Die Weinsäure löst das Fett in der Wurst regelrecht auf und „putzt“ damit deine Geschmacksknospen für den nächsten herzhaften Biss. Wenn du fruchtige Weine bevorzugst, greift du am besten zu einem Riesling oder Sauvignon Blanc. Magst du es lieber etwas körperreicher, dann wähle einen Grauburgunder aus der Pfalz oder aus Baden.
Mal was anderes zur Grillwurst ist (hochwertiger!) Lambrusco. Der fruchtige rote Schaumwein aus der Emilia Romagna hat nur sehr wenig Tannin und mit seiner Kohlensäure „sprengt“ er förmlich den Gaumen wieder frei vom Fett der Wurst. Ein Pairing, das richtig Spaß macht! Noch eine Spur raffinierter: Sekt oder Champagner. Unbedingt mit Käsekrainer probieren!

Wein zu gegrilltem Fleisch von Schwein, Huhn oder Pute

Zart gewürztes helles Fleisch wird in der Grill-Choreografie meist als zweiter Gang aufgelegt. Hier soll der feine Eigengeschmack des Fleisches zur Geltung kommen und nicht vom Getränk maskiert werden. Das funktioniert am besten mit einem leichten Weißwein. Weißburgunder oder Müller-Thurgau beispielsweise sind gute Begleiter für Geflügel und Schwein.

Würzt du gern etwas intensiver, zum Beispiel mit getrockneten Kräutern, dann probiere einen Roséwein dazu.

Hast du dein Grillgut kräftig mariniert, dann greif‘ ruhig zu einem mittelkräftigen Wein, zum Beispiel einem Grauburgunder aus der Pfalz oder aus Südtirol. Auch Silvaner oder Riesling sind super Optionen. Eine spannende Option zu würzigem Fleisch ist der kräftig-pinke, knackig-frische Schilcher aus der Steiermark.

Wenn du die beim Grillen entstehenden Röstaromen betonen möchtest, dann greif‘ zu einem holzfassgereiften Chardonnay.

Du besitzt einen Smoker? Die Struktur eines Orange Wine passt super zu Pulled Pork.

Wein zu gegrilltem Fleisch vom Rind und vom Lamm

Rindfleisch und Lammfleisch haben beide einen sehr kräftigen Eigengeschmack und vertragen daher intensivere Weine. Dasselbe gilt für Wildfleisch wie Hirsch. Für den Grillabend wähle einen Rotwein mit gerade so viel Tannin, dass er eine schöne Struktur hat, die dem intensiven Fleisch etwas entgegensetzen kann. Der Wein sollte aber nicht zu gerbstoffbetont sein. Ein fruchtbetonter Rotwein wie Cabernet Franc von der Loire oder ein Blauer Zweigelt aus Österreich ist eine gute Wahl.
Findet deine Grillparty an einem sehr heißen Tag statt, ist es ohnehin ratsam, auf mittelkräftige Rotweine zurückzugreifen. Mit viel Fruchtaromen und einer animierenden Säure sind diese Weine auch bei Hitze nicht allzu schwer. Noch besser: du kannst diese Weine leicht gekühlt servieren, ohne dass sie an Geschmack einbüßen.

Möchtest du die Röstaromen deines gegrillten Rindfleischs oder Lammfleischs unterstreichen, dann wähle einen kräftigen Rotwein mit Barriquefass-Ausbau. Zum Beispiel einen Malbec aus Argentinien, einen Cabernet Sauvignon aus Kalifornien oder einen intensiv-würzigen Roten von der südlichen Rhône. Letzterer hat oft Aromen von Räucherspeck und greift damit die Röstaromen vom Grill perfekt auf. Da Rindfleisch in der „Choreografie“ oft erst später auf den Grill kommt, sind dann auch die abendlichen Temperaturen schon angenehm passend für einen schwereren Wein.

Wein zu gegrilltem Fisch und Krustentieren

Ob einheimische Süßwasserfische im Ganze, Fischfilets oder Garnelen & Co.: die Vielfalt ist auch hier unendlich. Insbesondere bei heißem Sommerwetter sind Fisch und Krustentiere vom Grill eine wenig belastende Leckerei.

Wein zu gegrilltem Fisch

Süßwasserfische wie Saibling oder Forelle lassen sich wunderbar im Ganzen grillen. Mehr als ein paar Kräuter im Bauch braucht es nicht, so bleibt der feine Geschmack des Fischs erhalten. Der Wein dazu: Weißwein mit erfrischender Säure, z. B. ein Riesling von Mosel oder Rhein. Ein Sauvignon Blanc mit minerallischen Aromen (zum Beispiel Sancerre) betont die zarten Rauchnoten des Grillfischs.

Fettreiche Fische wie Lachs oder Thunfisch vertragen auch kräftigere Weine. Je nach Würzung passen ein Weißburgunder oder ein Rosé aus Südfrankreich (ein kräuterwürziger Rosé aus der Provence oder dem Languedoc). Wer es kräftiger mag, probiert einen Tavel zum herzhaft gewürzten Fisch. Die Rotwein-Freunde matchen gegrillten Lachs oder Thunfisch mit einem fruchtbetonten und leichtfüßigen Beaujolais oder mit einem eleganten Pinot Noir.

Wein zu gegrillten Krustentieren

Verbindest auch du Scampi, Garnelen & Co. mit Sommerurlaub am Meer? Zu diesen Preziosen vom Grill passen frische, säurebetonte Weißweine, die durchaus auch aus Urlaubsregionen kommen können. Spanischer Albariño aus Rías Baixas, Vinho Verde aus Nordportugal oder griechischer Assyrtiko – jeder auf seine eigene Art spannend und intensiv – sind knackig-frische weiße Begleiter für die edlen Meerestiere. Wenn du es lieber etwas neutraler magst, greif‘ zu einem Muscadet sur Lie von der unteren Loire oder zu einem Entre-deux-Mers aus Bordeaux.

Wein zu gegrilltem Gemüse & Co.

Neben Fleisch in allen Variationen gibt es ebenso viele fleischlose Alternativen. Ob Gemüse oder Grillkäse – auch hier ist der Variantenreichtum enorm und das Weinpairing spannend.

Wein zu gegrilltem Gemüse

Gemüse vom Grill beschränkt sich schon lange nicht mehr auf die altbekannten, wenn auch leckeren bunten Gemüsespieße. Knackiger Spargel vom Grill oder gerösteter Karfiol mit orientalischem Touch sind nur zwei Beispiele für unendlich viele fantasievolle Gemüsekreationen vom Rost. Auch hier gilt: die Weinauswahl richtet sich nach den vorherrschenden Aromen der Zubereitungsart.
Zu grünem Spargel vom Grill passt zum Beispiel perfekt ein jugendlicher Sauvignon Blanc. Der Wein spiegelt die grasig-grünen Aromen der edlen Sprossen wider. Gemüse mit zarteren Aromen wie etwa weißer Spargel, Zucchini oder Melanzani freuen sich über die Gesellschaft eines ebenso zurückhaltenden Weins. Müller-Thurgau, Silvaner, Weißburgunder oder auch Grauburgunder bieten sich hier an.

Wein zu gegrillten Kartoffeln

Mit der Intensität von Rosmarinkartoffeln nimmt es spielend ein kräuterwürziger Rosé aus Südfrankreich auf – ein mediterranes Traumpaar. Das funktioniert im Übrigen auch super mit Rosé-Sekt oder Rosé-Champagner. Wer sagt denn, dass es zum Essen immer nur Stillwein sein muss?

Wein zu Grillkäse

Der unkomplizierteste Käse zum Grillen ist wohl Halloumi. Aber auch Raclette-Käse, Ziegenkäse und Weichkäse wie Camembert oder Brie eigenen sich für die Zubereitung auf dem Grill.
Allen gemeinsam ist ein hoher Fettgehalt, den wir – wie schon bei der Grillwurst – mit säurebetonten Weißweinen knacken. Hier bieten sich wieder Riesling, Assyrtiko oder Vinho Verde an. Schön prickelnd zum schmelzigen Käse wird es wieder mit Sekt und Champagner.
Spannend ist auch das Pairing mit Bukettsorten. Probier‘ mal einen halbtrockenen Gewürztraminer – neben genug Säure um es mit dem Käse aufzunehmen bietet dieser auch herrliche blumige und exotische Aromen. Auch eine aromatische Scheurebe verträgt sich bestens mit den feinen Aromen von gegrilltem Camembert oder Brie.

Wein zu Grillsaucen und Dips

Oft wird Gegrilltes mit mehr oder weniger intensiven Saucen serviert. Hier gelten dann nochmal andere Spielregeln beim Weinpairing. Die intensivste Komponente bestimmt, wie kräftig der Wein sein darf (sollte). Hier ein kleiner Überblick über gängige Grillsaucen und Grillgewürze:

  • Barbecue-Sauce: Zur rauchig-süßen Sauce passen mittelkräftige bis intensive Rotweine. Ein Rioja oder ein Syrah von der südlichen Rhône greifen die Räucherspeckaromen auf.
  • Chilisauce: Zur feurigen Chilisauce darf der Wein etwas fruchtiger und süßer sein. Hier bieten sich an: Merlot, Nero d’Avola, Rioja, Riesling von der Mosel aber auch ein Chardonnay mit Barrique-Ausbau
  • Currysauce: Auch hier muss der Wein der Schärfe des Curry etwas entgegensetzen. Gut eignen sich restsüße Weißweine wie ein halbtrockener Riesling von der Mosel. Etwas kräftiger, aber auch passend: ein Riesling aus dem Elsass. Und leicht, aber trockener: ein Riesling Federspiel aus der Wachau.
  • Kräuter: Zur mediterranen Kräutermarinade aus Olivenöl, Zitronensaft und frischen oder getrockneten Kräutern passen junge, leichte und frische Weißweine. Sauvignon Blanc, trockener Riesling oder Muscadet bieten sich an. Intensive Kräuter vertragen ein Pairing mit Roséweinen, die frischen, trockenen provenzalischen Rosés spiegeln die Kräuteraromen wider.
  • Honig und Senf: Eine Marinade mit diesen Zutaten enthält in der Regel Weißweinessig, manchmal auch nur Weißwein. Damit passt dazu eben auch ein trockener Weißwein. Ein nicht mehr ganz jugendlicher, kräftiger Riesling, der die Honignote widerspiegelt oder ein im Holzfass ausgebauter Chardonnay sind beides gute Partner.
  • Ingwer: Eine asiatische Marinade mit Ingwer und Knoblauch braucht einen aromatischen Begleiter. Ein Riesling oder eine säurebetonte Weißweincuvée mit Restsüße nehmen es mit dem intensiven Geschmack des Ingwers auf. Auch Scheurebe und Gewürztraminer spielen hier mit.
  • Pfeffer: Der kräftigen Pfeffersauce (klassisch zum ebenfalls kräftigen Rindersteak) bietet ein kräftiger Rotwein Paroli, zum Beispiel ein Syrah von der Rhône oder ein argentinischer Malbec.

Wein zu Desserts vom Grill

Ein süßer Abschluss nach der herzhaften Schlemmerei? Gegrillte Nachspeisen sind schon lange kein Novum mehr und die Rezeptvielfalt ist enorm.

Süßer Wein zu gegrillten Desserts

Fast schon ein Klassiker in dieser Kategorie ist das Grillen süßer, oft exotischer Früchte. Ob gegrillte Ananas mit Honig, Mango mit Kokosraspeln oder Pfirsichhälften mit Ziegenkäse – jetzt hat der Süßwein seinen großen Auftritt. Faustregel: der Wein sollte süßer sein als das Dessert. Zu intensiven tropischen Fruchtaromen kannst du also richtig in die Vollen gehen und einen edelsüßen Wein wie eine Trockenbeerenauslese, einen Tokaji Aszú oder einen Sauternes reichen.

Zu Kuchen vom Grill passen halbtrockene, fruchtige Schaumweine wie ein Prosecco Dry. Die frische Wassermelone mit gehackten Nüssen und Limette matcht sich ebenso mit Sekt oder Champagner.
Zum Erdbeer-Marshmallow-Spieß probier‘ mal einen halbtrockenen Rosé d’Anjou mit seinen saftigen Beerenaromen! Du bevorzugst Weißwein? Dann wird dir vielleicht ein Moscato d’Asti dazu schmecken.

Wenn du ein Rotwein-Fan bist, wähle einen leicht gekühltem Ruby Port zu fruchtigen Desserts vom Grill. Nachspeisen mit nussigen Komponenten (Brownies mit gehackten Nüssen) vertragen sich gut mit Tawny Port oder einem Sherry Oloroso und – für die ganz süßen – Sherry Pedro Ximenez.

Die Wein-Food-Pairings in diesem Artikel sind lediglich Anregungen. Die vorgeschlagenen Weinstile stehen beispielhaft für passende Weintypen zum jeweiligen Grillgericht. Du kannst die genannten Weine beliebig gegen Weine ähnlichen Stils austauschen. Insbesondere wenn du in mehreren Gängen mit unterschiedlichen Zutaten grillst, ist es sinnvoll, nach Überschneidungen bei den infrage kommenden Weinen zu schauen. So kannst du denselben Wein mit mehreren Gerichten matchen und benötigst nicht zu viele verschiedene Weine für deine Grillparty.
Wie du deinen persönlichen Lieblingswein (nicht nur) fürs Grillen findest, erfährst du übrigens in meinem Sensorik-Workshop!

Ein Tipp noch zum Schluss: Serviere bei sehr warmem Wetter alle Weine von vornherein etwas kühler (2 bis 3 Grad) als üblich. So wirken die Weine frischer und leichter und im Glas werden sie ohnehin recht schnell wärmer.
Ein Eiswürfel im Glas ist längst kein Fauxpas mehr. Willst du deinen Wein nicht verwässern, leg‘ dir einfach wiederverwendbare „Eiswürfel“ aus Edelstahl zu.

Dieser Beitrag hat dir gefallen?
Teile ihn auf:


Neueste Beiträge