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Dekantieren und Karaffieren

Dekantieren und Karaffieren

Geschrieben von Miriam Schröer am .

Von Karaffen und Dekantern: Wein belüften wie ein Profi

In einer Sache sind sich die meisten Weinkenner einig: Wein muss „atmen“.
In Kontakt mit Sauerstoff werden Aromen im Wein besser aufgeschlossen und der Genuss ist größer.
Also: Flasche auf und rein damit in die Karaffe…. Halt!

Nicht ganz so schnell. Es gibt da nämlich doch ein paar kleine, aber feine Unterschiede.
Welche Weine wie umgefüllt werden (Stichwort Dekantieren versus Karaffieren) und bei welchen man eher davon absehen sollte, erfährst du in diesem Artikel.

Dekantieren versus Karaffieren

Viele Weintrinker verwenden die Begriffe Dekantieren und Karaffieren synonym. Bei beiden Methoden gelangt Sauerstoff an den Wein, dennoch unterscheiden sie sich in einem wesentlichen Merkmal.
Was ist der Unterschied zwischen Dekantieren und Karaffieren? Wozu ist es gut und bei welchen Weinen kommt es zum Einsatz?

Karaffieren

Was ist das?

Im Verb „karaffieren“ steckt die „Karaffe“ drin und so sagt der Begriff auch genau aus, was gemacht wird: der Wein wird aus seiner Flasche in eine Karaffe umgefüllt.

Wozu ist das gut?

Zweck des Karaffierens ist das Belüften des Weins.
Die Zufuhr von Sauerstoff fördert nämlich die Entwicklung des Weins: Aromen werden aufgeschlossen und bei noch jungen Rotweinen werden die Holznoten etwas weicher. Beim Kontakt mit Sauerstoff passiert quasi eine Art „Flaschenreife im Zeitraffer“.

Welche Weine?

Sauerstoff macht den Wein insgesamt zugänglicher und weicher. Notwendig ist das bei eher jungen Weinen, die ein gewisses Alterungspotenzial mitbringen.
Weine, die noch etwas verschlossen sind, noch griffige Tannine oder eine markante Säure haben, profitieren vom Karaffieren.

Wie lange?

Diese Frage lässt sich leider nicht so eindeutig beantworten. Die Bandbreite reicht von einigen Stunden bis hin zu mehr als einem Tag.
Als Faustregel kann man sich merken: Je jünger ein Wein und je langlebiger er ist, umso länger kann er karaffiert werden.
Junge – vor allem im Holz ausgebaute Weiß- und Rotweine – kannst du bedenkenlos karaffieren. Rechne mit einer Belüftungsdauer zwischen acht und zwölf Stunden.

Mittelalte Weißweine (sieben bis fünfzehn Jahre alt): öffne den Wein zwei bis drei Stunden, bevor du ihn trinken willst. Ist der Wein sehr verschlossen, kannst du ihn in eine schmale Karaffe umfüllen.
Tipp: Kühlere Jahrgänge benötigen meist etwas mehr Luft.

Bei Rotweinen mittleren Alters darfst du dich ruhig trauen, die Flasche bereits am Vorabend zu öffnen. Ist der Wein am nächsten Tag noch sehr verschlossen, kannst du ihn noch für einige Stunden karaffieren.

Vorsicht: Ältere Weine (dreißig Jahre und älter) benötigen in der Regel nicht viel Belüftungszeit. Gleiches gilt für Weine aus so genannten „kleinen“ Jahrgängen.
Bei wirklich alten Weinen solltest du vom Belüften absehen. Das Risiko, dass der Wein aufgrund der Sauerstoffzufuhr kippt, ist zu hoch. Hier ist es sicherer, den Wein kurz vor dem geplanten Einschenken nur zu Prüfzwecken zu öffnen und dann bis zum Einschenken wieder verschlossen aufzubewahren.

So geht’s

Was du brauchst:

  • deine Flasche Wein
  • Karaffe
  • Flaschenöffner
  • Weinglas
Beim Karaffieren geht es um möglichst viel Sauerstoff: hier darf auch schwungvoll umgefüllt werden.

Wie es geht:

  • Weinflasche öffnen
  • Karaffe avinieren:
    Gieße einen kleinen Schluck Wein aus der Flasche in die Karaffe und schwenke mehrmals, bis die Glaswand mit dem Wein benetzt wurde. So vertreibst du einen eventuellen „Schrankgeruch“ aus der Karaffe.
  • Den Schluck Wein aus der Karaffe ins Weinglas gießen und prüfen – ist der Wein fehlerfrei?
  • Wenn der Wein fehlerfrei ist, gieße den Wein aus der Flasche in die Karaffe:
    das darf gern so schwungvoll passieren, dass der Wein „verwirbelt“ – so erhält der Wein richtig viel Sauerstoff
    Tipp: Karaffiere nur so viel Wein, wie du voraussichtlich trinken wirst. Mit dem Karaffieren erfährt der Wein einen beschleunigten Reifeprozess – der in der Flasche verbleibende Wein nicht.
  • Nach wenigen Minuten:
    entnimm einen Probeschluck aus der Karaffe: kannst du schon einen Unterschied zum ersten Schluck erkennen?
  • Nach mehreren Stunden:
    Probiere den Wein erneut – es sollte ein spürbarer Unterschied erkennbar sein

Tipps

  • Größe der Karaffe:
    Je größer die Karaffe, desto mehr Sauerstoff gelangt an den Wein.
    In einer bauchigen Karaffe ist die Oberfläche des Weins, die mit Sauerstoff in Kontakt ist, sehr groß. Somit läuft auch der „Reifeprozess“ in bauchigen Karaffe schneller ab.
    Willst du einen langsameren Prozess oder bist du nicht sicher, wieviel Sauerstoff dein Wein verträgt, dann wähle eine schlankere Karaffe.
  • Belüftungsdauer:
    Wie oben schon gesagt, kann man das nicht pauschal beantworten.
    Faustregel: Je jünger und langlebiger der Wein, umso länger kannst du ihn karaffieren.
    Es kommt auch auf die Lagerung an: perfekt gelagerte Weine reifen langsamer als Weine, die etwa zu warm gelagert wurden. Anhand deines Probeschlucks vor dem Karaffieren kannst du entscheiden: Ist der Wein sehr verschlossen? Dann setze die Belüftungszeit länger an. Ist der Wein schon recht zugänglich? Dann verkürze die Belüftungsdauer entsprechend.
    Wenn du deinen Wein karaffiert hast, probiere ihn regelmäßig (alle ein oder 2 Stunden) – so bekommst du ein Gefühl dafür, was in der Karaffe mit dem Wein passiert.
  • Nicht karaffieren:
    Günstige Alltagsweine ohne nennenswertes Lagerpotenzial profitieren in der Regel nicht vom Karaffieren. Die „adhoc-Flaschenreife“, die du dem Wein beim Karaffieren gönnst, kann bei einfachen Weinen ins Gegenteil umschlagen – der Wein altert viel zu schnell und wird flach und fad.

Dekantieren

Was ist das?

Im Gegensatz zum Karaffieren wird beim Dekantieren der Wein von seinem Depot getrennt. Das französische Wort „décanter“ bedeutet denn auch „klären“ oder „absetzen“.

Wozu ist das gut?

Zweck des Dekantierens ist primär, den Wein von seinem Depot zu trennen. Da man den Wein dazu in einen Dekanter (ebenfalls eine Art der Karaffe) umfüllt, wird der Wein zusätzlich auch belüftet.

Welche Weine?

Wenn sich in einer Weinflasche ein Depot entwickelt hat, muss der Wein dekantiert werden. Ein Depot besteht aus Schwebeteilchen sowie ausgefällten Farbstoffen, Säuren und Gerbstoffen, die sich während der Flaschenreife über Jahre hinweg in der Weinflasche absetzen.
Man findet diesen Bodensatz zwar insbesondere bei Rotweinen, aber auch bei Weißweinen kann ein Dekantieren erforderlich sein, zum Beispiel wenn sich Weinstein abgesetzt hat.

Tipp: Bevor du einen Wein dekantierst, sollte die Flasche – so sie liegend gelagert wurde – eine Zeitlang (mindestens einen Tag) aufrecht gestanden haben. So sammelt sich das Depot, das sich in der liegenden Flasche an der Flaschenwand abgesetzt hat, am Boden der Flasche.

So geht’s

Was du brauchst:

  • deine Flasche Wein
  • Dekanter
  • Lichtquelle
  • Flaschenöffner
  • Weinglas
  • optional: Dekantiertrichter / Dekantiersieb
Beim Dekantieren ist Geduld und Fingerspitzengerfühl gefragt: je langsamer und vorsichtiger das Umfüllen passiert, umso besser.

Wie es geht:

  • Weinflasche öffnen
  • Dekanter avinieren:
    Gieße einen kleinen Schluck Wein (am besten aus einer anderen, bereits offenen Flasche – so wirbelst du das Depot in deiner zu dekantierenden Flasche nicht auf) in den Dekanter und schwenke mehrmals, bis die Glaswand mit dem Wein benetzt wurde. So vertreibst du einen eventuellen „Schrankgeruch“ aus dem Dekanter.
  • Nimm den Dekanter in eine Hand.
  • Stelle eine Lichtquelle (das kann zum Beispiel eine Handy-Taschenlampe sein) unter den Dekanter – diese soll während des Umfüllens den Flaschenhals und die Flaschenschulter von unten beleuchten.
  • Nimm die geöffnete Weinflasche in die andere Hand, neige Flaschenhals und Dekanteröffnung langsam einander zu und beginne, den Wein langsam und vorsichtig in den Dekanter laufen zu lassen.
  • Achte darauf, dass der Wein NICHT verwirbelt – lass‘ den Wein langsam innen an der Glaswand des Dekanters herunterlaufen, so wird er „gebremst“.
  • Die Lichtquelle beleuchtet dabei die Flasche von unten – so kannst du sehen, wann das Depot beim Umfüllen in Richtung Flaschenhals rutscht.
  • Sobald du siehst, dass das Depot in der Flaschenschulter angekommen ist, hörst du mit dem Umfüllen auf. Die Ablagerungen sollen in der Flasche verbleiben. Je langsamer und vorsichtiger du vorgehst, desto länger dauert dies und desto mehr Wein kannst du dekantieren.
  • Gieße dann einen Schluck Wein aus dem Dekanter ins Weinglas und prüfe, ob der Wein fehlerfrei ist.
  • Nach wenigen Minuten:
    Entnimm einen Probeschluck aus dem Dekanter: kannst du schon einen Unterschied zum ersten Schluck erkennen?
  • Nach mehreren Stunden:
    Probiere den Wein erneut – es sollte ein spürbarer Unterschied erkennbar sein.

Tipps

  • Größe des Dekanters:
    Je größer die Karaffe, desto mehr Sauerstoff gelangt an den Wein.
    In einem bauchigen Dekanter ist die Oberfläche des Weins, die mit Sauerstoff in Kontakt ist, sehr groß. Somit läuft auch der „Reifeprozess“ in einem bauchigen Dekanter schneller ab.
    Je älter der Wein ist, den du dekantierst, desto schlanker sollte der Dekanter sein – so vermeidest du einen Sauerstoffschock.
  • Belüftungsdauer:
    Der Hauptzweck des Dekantierens ist es, den Wein von seinem Depot zu trennen.
    Da es sich beim Dekantieren in der Regel immer um gereifte Weine handelt, ist eine lange Sauerstoffzufuhr eher nicht mehr erforderlich. Daher: Dekantiere den Wein erst kurz oder nur wenige Stunden vor dem geplanten Genuss.
    Wenn du deinen Wein dekantiert hast, probiere ihn regelmäßig (zum Beispiel stündlich) – so bekommst du ein Gefühl dafür, was im Dekanter mit dem Wein passiert.
  • Dekantiertrichter / Dekantiersieb:
    Wenn du noch nicht viel Übung im Dekantieren hast, dann kann dir dieses kleine Helferlein gute Dienste leisten. Die meisten Dekantiertrichter haben ein integriertes Sieb – wenn man also doch mal einen Tick zu schwungvoll unterwegs ist, wird das Depot im Sieb aufgefangen und der Wein im Dekanter bleibt „clean“.

So ist das also mit dem Karaffieren und Dekantieren. Und bei der nächsten Weinprobe bist du bestens gerüstet für vollen Genuss!
Wenn du noch offene Fragen oder Anregungen hast, schreib‘ mir gern hier. Ich freue mich über dein Feedback!

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