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Jenseits des Sommers: Warum Rosé ganzjährig passt

Jenseits des Sommers: Warum Rosé ganzjährig passt

Geschrieben von Miriam Schröer am .

Rosé für alle 4 Jahreszeiten

Sommerzeit = Rosézeit. Findest du auch, dass kaum etwas mehr Gefühl von Sommer, Sonne und Dolce Vita ins Glas bringt als ein kühler, aromatisch-lebendiger Roséwein? Und ja, mit seiner Gute-Laune-Farbe passt er auch herrlich in die warme Jahreszeit.

Aber hast du Rosé schon mal an kühlen Tagen im Herbst und Winter probiert? Roséwein ist nämlich viel mehr als ein simpler Sommerdrink.
Roséwein schlägt nicht nur farblich eine Brücke zwischen Weißwein und Rotwein. So gibt es Rosés, die stilistisch näher am Weißen sind und solche, die einem Rotwein näher kommen.
Und dazwischen gibt es enorm viele Spielarten. Die Palette reicht vom frischen Terrassenwein über strukturierte Essensbegleiter bis hin zu lagerfähigen Rosés aus dem Holzfass.

Das erwartet dich in diesem Artikel:

Rosé für kühle Tage

Der Sommer geht und die Tage werden kürzer und kühler. Und plötzlich will der superleichte, frische Rosé, den wir den ganzen Sommer über geliebt haben, nicht mehr so richtig schmecken. Zugegeben: im der Steppjacke am Swimmingpool, Fluss- oder Seeufer sitzen und knackig-kalten Rosé trinken, fühlt sich auch irgendwie komisch an.
Viele Weinliebhaber gelüstet es mit zunehmend kühlen Temperaturen eher nach vollmundigem Rotwein als nach frischen Weißen oder Rosés. Ausgesprochene Rosé-Fans sind vielleicht etwas wehmütig, dass die Jahreszeit für ihren Lieblingswein vorbei ist.
Aber ist sie das wirklich? Denn Roséweine heben mit ihren freundlichen Farben in der dunkleren Jahreszeit nicht nur die Laune, einige von ihnen passen auch überaus gut in den Herbst und Winter.
Dafür, welche Rosés auch in der kalten Jahreszeit schmecken, möchte ich dir in diesem Beitrag ein paar Anregungen geben.

Rosétypen

Je nach Herkunft, verwendeten Rebsorten und Herstellungsmethode kann man vier Typen Roséweine unterscheiden:

Der Zarte

Leichtfüßig, frisch und knackig-kalt: das ist der klassische „Swimming-Pool-Rosé“. Oft von sehr heller Farbe und mit mineralischem bis dezent fruchtigem Geschmack. Die zarten Aromen erinnern oft an weißen Pfirsich oder weiße und rote Beeren.
Diese Weine stammen in der Regel aus Direktpressung, es gehen also wenig Farbstoffe und keine Tannine in den Wein über. Ein sehr großer Teil der Roséweine fällt in diese Kategorie. Aufgrund des Erfolgs der provenzalischen, sehr blassen Roséweine wurde dieser Stil in den letzten Jahren oft kopiert.

Ein solcher Wein ist Sommervergnügen pur. Auf der Terrasse, mit Freunden am Pool oder am Strand, als Apéritif – frischer, eleganter und graziler geht es kaum.

Welche Rosés sind das?
Zum Beispiel:
Aus Frankreich: Rosés aus der AOC Côtes de Provence
Aus Österreich: zartfarbige, mineralisch-frische Rosés aus der Rebsorte Pinot Noir (zum Beispiel Cistercien, Schloss Gobelsburg; Fräulein Rosé von Döbling, Weingut Mayer am Pfarrplatz)
Aus Portugal: Vinho Verde Rosé

Ist das ein Rosé für Herbst und Winter?
Eher nicht. Persönlich würde ich zusehen, dass diese Weine bis, sagen wir, September ausgetrunken sind.
Zu herbstlichen, kräftigeren Speisen passen sie eher nicht so gut und zudem sind diese Weine für den schnellen Konsum gedacht – und gemacht. Es lohnt sich daher in aller Regel nicht, den diesjährigen Lieblingsrosé auf Vorrat einzukaufen und für den nächsten Sommer zu bunkern. Die zart-frischen Aromen werden allmählich nachlassen und dann bleibt bei den meisten Weinen dieser Art nicht mehr viel Substanz übrig – die Weine schmecken dann flach und langweilig.
Also: erspar‘ dir die Enttäuschung und trinke lieber alles im Sommer aus – nächstes Jahr gibt es frischen!

Der Fruchtige

Saftig, fruchtig, frisch: Rosé ist nicht nur im Hochsommer ein Genuss

Ebenfalls Sommerlieblinge: Roséweine mit intensiven Fruchtaromen. Mal blasser, mal intensiver gefärbt, haben sie alle gemeinsam, dass sie mit frischer, saftiger Frucht betören. Oft sind es Erdbeer- oder Himbeeraromen, die dir in die Nase steigen.
Hier und da können diese Weine auch ein paar Gerbstoffe haben, nämlich dann, wenn eine kurze Maischestandzeit im Spiel war.

Welche Rosés sind das?
Zum Beispiel:
Aus Österreich: Roséweine aus der Rebsorte Blauer Zweigelt, Schilcher Klassik aus der Steiermark
Aus Frankreich: Sancerre Rosé (Pinot Noir von der Loire), Rosé de Loire (aus Cabernet Franc), wenn du es süßer magst: Rosé d’Anjou (ebenfalls Loire)
Aus Italien: Bardolino Chiaretto, Cerasuolo d’Abbruzzo, Lagrein Rosato

Ist das ein Rosé für Herbst und Winter?
Die Weine leben von ihrer intensiven Fruchtigkeit und frischen Säure und sind – in den allermeisten Fällen – zum jung trinken gedacht. Wenn die Fruchtaromen mal nachlassen, kann es schnell etwas fad werden.
Für einen großen Teil der Fruchtbomben gilt also ebenfalls: am besten frisch genießen!
Die strukturierteren Vertreter kannst du etwas länger aufheben – diese nehmen es in der kühleren Jahreszeit dann auch spielend mit einem kräftigen Käsefondue auf!

Der Muskulöse

Auch ein Rosé kann richtig Muskeln spielen lassen. Je nach Rebsorte und Herstellungsmethode fallen einige Roséweine durchaus kräftig aus.
Intensive Fruchtaromen, z. B. aus längerem Schalenkontakt, spürbare Tannine aus Maischestandzeit und/oder Holzfassausbau, eine cremige Textur durch eine lange Lagerung auf der Feinhefe sind nur ein paar Beispiele für die Bandbreite der Möglichkeiten, die der Winzer ausschöpfen kann.
Hier bewegen wir uns definitiv weg vom Easy-Drinking-Rosé.

Welche Rosés sind das?
Aus Österreich: Domäne Wachau, Rosé 1817, Familie Strehn: Pia und die starken Männer
Aus Spanien: Roséweine aus Rioja
Aus Italien: Salento Rosé

Ist das ein Rosé für Herbst und Winter?
Absolut. Hier kommen Frische, Frucht und Struktur zusammen. Diese Roséweine sind auf unserer Brücke zwischen Weiß und Rot definitiv Richtung (leichtem) Rotwein unterwegs.
Die kräftigeren Vertreter sind spannende Essensbegleiter – und das nicht nur zu Fisch und Meeresfrüchten. Mit viel Frucht und Grip sind sie durchaus auch Fleischgerichten gewachsen – von Beef Tatar über gegrilltes Huhn zu Schweinsmedaillons lohnt sich das Ausprobieren.

Der Komplexe

Vielschichtig und mit Entwicklungspotenzial: Komplexe Roséweine sind rar und eine spannende Erfahrung

Es gibt vergleichsweise wenige Roséweine mit nennenswertem Reifepotenzial. Aber es lohnt sich durchaus, Ausschau zu halten nach strukturierten Rosés, die in ihrer Vielschichtigkeit und Lagerfähigkeit durchaus mit Rotweinen mithalten können.
Die Bandbreite reicht dabei von mineralisch-frisch über zart fruchtig bis hin zu intensiv würzig. Neben ihren komplexen Aromen bieten die Weine oft auch einen gewissen Grip aufgrund eines Ausbaus im Holzfass.
Dieser Rosé-Typ ist ein wahrer Langstreckenläufer. Aufgrund ihrer Komplexität und Dichte verfügen solche Weine über ein sehr gutes Entwicklungspotenzial. Wenn du schon immer mal gereifte Roséweine probieren wolltest, solltest du dir von diesem Typ ein paar Flaschen in den Keller legen. Geduldig warten zahlt sich aus: nach 5 oder 7 Jahren erlebst du höchsten Roségenuss.

Welche Rosés sind das?
Aus Österreich: Familie Strehn (Der Elefant im Porzellanladen und Pia Pur),
Aus Frankreich: Château La Sauvageonne (La Villa Rosé); Roséweine aus Tavel, Bandol und Lirac

Ist das ein Rosé für Herbst und Winter?
Das sind ganz sicher Ganzjahres-Rosés. Die zarteren Vertreter unter ihnen erfreuen uns auch im Sommer – vielleicht aber nicht einfach so nebenher am Pool, sondern mit etwas mehr Muße und Aufmerksamkeit genossen.
Die strukturierteren Vertreter unter ihnen sind exzellente Speisebegleiter – siehe oben beim kräftigen Typ.
Aber sie bieten auch Anlass zum einfach so Genießen – und dabei Lernen? Wie wäre es mit einer vertikalen Weinprobe mit demselben Roséwein aus mehreren Jahrgängen, zum Beispiel von sehr jung über 3 Jahre alt bis zu 7 Jahre alt? So kannst du erschmecken, wie sich die Aromen im Wein weiterentwickeln und wie spannend ein gereifter Roséwein sein kann.

Diese vier Typen kann man natürlich nicht immer messerscharf abgrenzen. Insbesondere bei den kräftigen, muskulösen Rosés und den lagerfähigen, strukturierten Rosés gibt es Überschneidungen.

Rosé als Essensbegleiter

Wie du siehst, haben die rosaroten Weine viele Facetten und kommen in vielen Stilen. Und mit ihren vielseitigen Aromen- und Geschmacksprofilen passen sie zu den verschiedensten Anlässen, Speisen und Jahreszeiten.

Food-Pairing mit Roséwein:

  • Frische Roséweine mit wenig Tannin und weicher Struktur passen toll zu ebenso leichten Speisen.
    Als Eselsbrücke bietet sich an: Rosé zu rosafarbenen Lebensmitteln (Lachs, Garnelen, Scampi, Crevetten). Auch zu leichten Salaten und gedünstetem Gemüse oder Fisch passen zarte Roséweine.
  • Intensiv fruchtige Roséweine sind ein Geheimtipp zu Käsefondue oder cremigem Risotto. Unbedingt probieren: fruchtiger Rosé zur Käseplatte oder zum Charcuterie-Board!
  • Kräftige, strukturierte Roséweine schmecken zu gebratenem Fisch oder gebratenem hellen Fleisch wie Geflügel oder Schwein, zu kräuterwürzigem Fisch vom Blech, zum klassischen Ratatouille. Je kräftiger das Gericht ist, desto mehr Power darf (sollte) auch der Rosé haben.

Faustregel für Sommer- und Winter-Rosés:

  • Sehr helle Roséweine:
    als Aperitif, zu leichten Salaten, Fisch und Meeresfrüchten, solo auf der Terrasse, eher nicht lange lagern, sondern schnell austrinken
  • Dunklere Roséweine:
    zu Gegrilltem (gegrilltes Gemüse, helles Fleisch, gegrillter Fisch), zu Käseplatten und Charcuterie-Boards etc., teilweise lagerfähig

Auch hier gilt natürlich: Ausnahmen bestätigen die Regel.

Fazit: Mit seiner enormen Bandbreite an Stilen und Geschmacksprofilen ist Roséwein mehr als ein simpler Sommerdrink. Als Essensbegleiter steht er durchaus gleichberechtigt neben Weiß- und Rotweinen.
Wie immer gilt: keine Angst vor Experimenten, denn wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und angesichts der Rosé-Vielfalt ist dir ein Gewinn an Genuss jetzt schon sicher!

Keine Lust, allein zu probieren? Wie wär’s mit einem Rosé-Workshop, in dem du die wichtigsten Anbauregionen und Stile für Roséweine kennenlernst?

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